Kann Künstliche Intelligenz die Zahl der Arztbesuche reduzieren?

16. Januar 2018
Kann Künstliche Intelligenz die Zahl der Arztbesuche reduzieren?

Eine Arztkonsultation per Videochat und ohne Wartezeiten? Das verspricht eine innovative britische App. Ziel ist es, Arztkosten damit deutlich zu reduzieren. Im ersten Anlauf hatte die App die Rechnung jedoch ohne ihre User gemacht.

Eine App soll künftig vorentscheiden: Ist ein Arztbesuch notwendig oder helfen auch Mittel aus der Hausapotheke? So soll die Zahl der Arztbesuche und damit Kosten für das Gesundheitssystem deutlich reduziert werden. Klingt spannend? Ist es auch. In der Testphase hatte die intelligente App jedoch mit von Menschen verursachten Herausforderungen zu kämpfen.

Die App Babylon Health wurde mit Unterstützung des britischen Gesundheitssystems NHS gelauncht. Es handelt sich dabei um eine App, die im Krankheitsfall entscheiden soll, ob ein Arztbesuch tatsächlich notwendig ist. Dazu teilt man seine gesundheitlichen Beschwerden einem Chatbot mit. Auf Basis künstlicher Intelligenz, einer Datenbank, in der eine große Anzahl an Krankheitsbildern hinterlegt sind, erstellt ein Algorythmus eine erste Diagnose und entscheidet, ob und wann ein Arzttermin sinnvoll ist.

Mit dieser Innovation sollen Patientenanstürme auf Arztpraxen minimiert werden. Für das britische Gesundheitssystem könnte dies trotz App-Kosten eine deutliche Kostenersparnis bedeuten. Und auch für die Nutzer wäre dieser Ansatz eine große Erleichterung: Sie ersparen sich den Gang zum Arzt, lange Wartezeiten und erhalten meist sofortige Hilfe und Ratschläge. Aufgrund der Vielzahl an gespeicherten Daten ist eine solche App in der Diagnose (angeblich) etwa zehnmal präziser als ein Arzt. Wird ein Arzttermin als notwendig eingestuft, kann dieser innerhalb weniger Minuten über Videochat stattfinden.

Doch in der Realität funktioniert die App nicht ganz so perfekt: Voraussetzung dafür ist nämlich die Ehrlichkeit der User. In einem Testlauf stellte sich heraus, dass die „künstliche Intelligenz“ derzeit noch nicht intelligent genug ist, menschliches Flunkern und fehlerhafte Angaben zu entlarven. Viele Nutzer täuschten (erfolgreich) stärkere Symptome vor, um schnellstmöglich an einen Arzttermin zu kommen. Die logische Folge: eine gleichbleibende Zahl an Arztkonsultationen und damit gleichbleibende Kosten plus App-Zusatzkosten. Ein Schuss, der nach hinten losging? Nicht wirklich, denn derartige innovative Anwendungen sind für die Zukunft extrem wichtig. Insbesondere, wenn sie von offiziellen Gesundheitsbehörden unterstützt und implementiert werden. Fakt ist: Das derzeitige Gesundheitssystem wird in der aktuellen Form auf Dauer nicht bestehen können und vor allem nicht finanzierbar sein.

 

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